Eco-Aesthetics

Einführung

Spätestens seit den 1960er Jahren ist das Problem der Umweltzerstörung im Bewußtsein vieler Menschen präsent. Im Kunstbereich entstand die Bewegung der Environmental- oder Ecological Art. Sechzig Jahre später ist die ökologische Frage zu einer Überlebensfrage für den Planeten geworden. Nicht nur KünstlerInnen empfinden den rasanten Schwund an Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt als bedrohlichen Verlust. Über Jahrtausende war die Natur selbstverständliche Quelle der Inspiration für das menschliche Sein. Der Verlust, den wir durch die ökologische Katastrophe erleben geht sehr viel tiefer, als deren offensichtliche Konsequenzen. Er wird unser Menschsein verändern.

Es ist nach wie vor wichtig, durch das künstlerische Werk die Ästhetik der Natur zu zeigen und erfahrbar zu machen, um zu erkennen, was es zu bewahren gilt. Eine wichtige Bewegung der Gegenwartskunst, die unter dem interdisziplinären Ansatz der Eco-Aesthetics arbeitet, sieht es aber ebenso als notwendig an, neben dem ästhetischen Aspekt die Verheerungen und Zerstörungen zu thematisieren und sichtbar zu machen: die Vermüllung der Meere, die Zurichtung der Landschaft in Industrieflächen, die Umwandlung des Reichtums der Natur in blose Börsendaten oder das Aussterben der Arten.

2018

Ausstellung Shedhalle Tübingen e.V.

Forum für zeitgenössische Künste

Fotografien von Torsten Geucke

Neptun, der Gott der Meere, erstickt in unserem Plastikmüll!

Müll aufgenäht, Schrift aus Plastikstrohhalmen, auf digital bedrucktem Kunststoff, Videobeamer, Leuchtschrift

Etwa eine Lastwagenladung Müll pro Minute bekommt Neptun von uns Menschen auf den Kopf geschüttet. Schätzungsweise haben sich bereits mehr als 80 Millionen Tonnen angesammelt. Davon sinken mindestens zwei Drittel auf den Meeresboden. Das restliche Drittel treiben Wind und Meeresströmungen Hunderte von Kilometern durch die Ozeane. Selbst in den entlegensten Gebieten unseres Planeten, der Arktis oder der Tiefsee finden sich gefährliche Überreste unserer (sogenannten) Zivilisation. 450 Jahre brauchen Plastikflaschen oder Fischernetze, bis sie vollständig zersetzt sind. Tausende Meerestiere und Seevögel sterben weil sie sich in den Geisternetzen und anderen Plastikteilen verfangen. Andere verenden an den verschluckten Teilen und ihren gesundheitsschädlichen Substanzen wie Weichmacher oder Flammschutzmittel.

THE SWEET HOME OF NEPTUN

Videoinstallation / 280-x-500-cm / 2018

THE SWEET HOME OF NEPTUN

Videoinstallation / 280-x-500-cm / 2018

Der achte Kontinent

Acryl, Müll, Schnipsel von Kunststofftrinkhalmen auf digital bedrucktem Kunststoff
190 x 130 cm / 2018

„Der achte Kontinent“ wird mittlerweile der größte von den fünf großen Müllstrudeln in den Weltmeeren genannt. Er ist nach neuesten Vermessungen weit größer als bisher angenommen. 80.000 Tonnen Plastik treiben in einem Gebiet von 1,6 Millionen Quadratkilometern. Er ist damit 4,5 mal so groß wie Deutschland.

Das rasante Verschwinden der Arten
Schwebfliegen und andere Insekten

Sie sind winzig, meist unscheinbar und nur die buntesten sind unsere Lieblinge: die Insekten. Viele sind uns meist lästig, wenn sie aussterben bemerken wir es nicht einmal. In den letzten 27 Jahren sind 75 Prozent der fliegenden Insekten in Deutschland verschwunden und ohne ein radikales Umdenken können schon in den nächsten zehn Jahren die restlichen ausgerottet sein. Zu dem drastischen Insektensterben tragen viele Ursachen bei: Klimawandel, unsere Lebensgewohnheiten und Profitdenken.

Das rasante Verschwinden der Arten

Siebdruck, Tuschezeichnungen, Digitalfotos überarbeitet
Acht unterschiedliche Formate

landscape ?

Ölfarbe, Acryl, Netz, Digitaldruck
190 x 120 cm / 2018

Was bedeutet „Landschaft“ heute? Der Begriff bezeichnet nicht mehr das was sie einmal war im Zeichen der GPS bearbeiteten Flächen. Diese ähneln immer mehr Computerleiterplatten. Ihre Formanalogie ist von oben betrachtet erstaunlich. Denn wir sind nicht nur Nutzer der digitalen Maschinen, sondern umgekehrt, unser Handeln und Denken, das Aussehen unserer Welt wird auch von ihnen formatiert.

Wie der Nebel sie auch verklärt / Moose und Flechten

2017

Bild in der Mitte

Wie der Nebel sie auch verklärt
Ölfarbe, Acryl, Collage auf digital bedrucktem Kunststoff
190 x 120 cm

Zeitungsausschnitte von Börsendaten und Anlagefonds, sowie Luftaufnahmen von landwirtschaftlichen Industrieflächen sind eingearbeitet.

Nach einem Haiku von Issa, der von 1763 – 1827 in Japan lebte:
Wie der Nebel sie auch
verklärt – meine Heimat sieht
erbärmlich aus.

Rechtes Bild

Moose und Flechten
Ölfarbe, Acryl, Tusche, Collage auf Leinwand
110 x 200 cm

Mit roter Tusche ist der Untergrund komplett beschrieben mit den Namen all jener Moose und Flechten die laut der Roten Liste ausgestorben oder vom Aussterben bedroht sind. Darüber haben sich rhythmisch Börsendaten und Anlagefonds gelegt, am Rande sieht man landwirtschaftliche Industrieflächen. Moose und Flechten gibt es in allen Teilen der Welt, in Vulkankratern und im ewigen  Eis. Sie sind absolute Anpassungskünstler. Was die meisten von ihnen nicht vertragen ist die Verschmutzung des Wassers und der Luft.

Die Wirklichkeit verschwimmt, beult aus und tropft ab
2017

Mixed Media, 145 x 85 cm

Als Hintergrund, sozusagen als Matrix, dient die Formel x = xn die die Digitalität repräsentiert. Darauf verschmelzen Fotos von Computerleiterplatten und Luftaufnahmen von landwirtschaftlichen Flächen und Gebäuden. Ihre Formanalogie ist erstaunlich.

Ceci n’est  pas une herbe
2017

Acryl und Tusche auf Leinwand
200 x 145 cm

Angelehnt an das Bild von René Magritte »Ceci n’est pas une pipe« entstand diese Arbeit. Jedoch erinnert im Gegensatz zu Magrittes Bild in »Ceci n’est pas une herbe« nichts an das so titulierte Objekt, ausgenommen die grasgrüne Schrift. Analog zu dem Grün das wir immer häufiger auf den Feldern antreffen und als Gras bezeichnen.  

In Wirklichkeit ist es allenfalls noch Grün. Ansonsten ist es ein Industrieprodukt das schnell wächst, oft geschnitten werden kann, Masse erzeugt und tote Fläche für Tiere und andere Pflanzen ist. 

Rosenseeschwalbe

2017

Acryl und Tusche auf bedrucktem Stoff
200 x 125 cm

Dies ist eine Hommage an die Vögel die laut der Roten Liste 2016 in Deutschland ausgestorben sind.